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Mediennutzung von Kindern: wie viel Zeit ist empfehlenswert?

Mediennutzung von KindernIm Zeitalter von Computern, Smartphones und dem Fernseher verfliegt die Zeit häufig wie im Fluge. Auch für Kinder und Jugendliche ist es reizvoll, nach Herzenslust das Lieblings-Online-Game zu spielen oder die Lieblingsserie in der Dauerschleife anzuschauen. Deshalb stellen sich viele Eltern die Frage, wie viel Zeit für die Mediennutzung eigentlich „gesund“ ist.

Fakt ist: es gibt keine explizite Zeitvorgabe. Komponenten wie das persönliche Umfeld, die Lebenssituation oder Vorbilder wirken sich maßgeblich auf den Medienkonsum aus.

Die sogenannte Bildschirmzeit schließt viele Komponenten ein

Wer einen Richtwert für eine regelmäßige Mediennutzung festlegen möchte, muss die gesamte Bildschirmzeit in diese Maßgaben einbeziehen. Das bedeutet, dass die Nutzungsdauer von digitalen Medien die Zeit vorm Fernseher, dem Smartphone, Computern oder Spielkonsolen einbezieht. Medienpädagogen raten dazu, ein Zeitkontingent zu vereinbaren.

In der Praxis hat sich ebenfalls ein Wochenbudget bewährt. Bei dieser Richtlinie können die Kinder selbst entscheiden, wie sie die festgelegte Anzahl an Stunden ihrem Wochenrhythmus anpassen. Dieses Konzept bietet Kindern die Möglichkeit, sich einzelne Stunden für bestimmte Anlässe aufzusparen. Zudem werden Situationen vermieden, in denen die Jungen und Mädchen schulische Recherchen beispielsweise vorzeitig abbrechen müssen. Zugleich wird auf diese Weise die Eigenverantwortung des Nachwuchses gefördert.




Die Mittelwerte orientieren sich am Alter der Kinder

Obwohl für eine Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen keine vorgeschriebenen Zeit-Festlegungen existieren, können aus unterschiedlichen Ratgebern Mittelwerte gebildet werden. Diese Durchschnittswerte gelten als Richtlinien, bei deren Realisierung dennoch die gesamte Lebenssituation berücksichtigt werden sollte. Eine wichtige Komponente ist die generelle Mediennutzung einer Familie. Für Kinder bis zu drei Jahren raten Medienpädagogen generell vom Medienkonsum ab.

Für Jungen und Mädchen von drei bis sechs Jahren sollte eine tägliche Nutzungsdauer von durchschnittlich 30 Minuten nicht überschritten werden. Bis zum neunten Lebensjahr wird eine Bildschirmzeit von maximal einer Stunde pro Tag empfohlen. Für ältere Kinder erscheint eine Empfehlung fast nicht mehr möglich, da die Nutzungsmuster ab diesem Alter stark variieren. Generell raten Medienexperten jedoch an, dass eine Nutzung für den schulischen Zweck unbedingt aus den Nutzungszeiten herausgerechnet werden muss.

Anlässe und Umstände berücksichtigen

Außerdem ist es wichtig, dass die Nutzungsdauer neben der Art der Nutzung vom jeweiligen Anlass abhängig gemacht wird. So sollten Eltern konsequent unterscheiden, ob der Nachwuchs Hausaufgaben recherchieren muss, mit Freunden kommuniziert oder kreativ aktiv ist. Eine wichtige Komponente der Fernsehnutzung ist die Art der Inhalte, die von TV-Format zu TV-Format mehr oder weniger sinnvoll erscheint. Eltern sollten die Frage beantworten, ob Fernseher und Computer den Alltag der Kinder bestimmen oder ein entsprechender Ausgleich durch sportliche Aktiviäten oder die gemeinsame Zeit mit Freunden vorhanden ist. Natürlich ist es dringend notwendig, dass neben dem Medienkonsum genügend Zeit für eine sinnvolle Freizeitgestaltung und die Schule vorhanden ist. Soziale Kontakte und Hobbys müssen gepflegt werden.

Außerdem ist es ratsam, medienfreie Zeiten einzuführen – beispielsweise vor den Hausaufgaben oder der Schlafenszeit. Bildschirmfreie Tage sind eine weitere interessante Option, die insbesondere dem Familienleben zugutekommen. Durch Maßnahmen wie diese wird das ausgewogene Verhältnis zwischen Mediennutzung und anderweitiger Freizeitgestaltung stets beibehalten.

Eine Checkliste als Orientierungspunkt

Doch ab wann ist der Medienkonsum bedenklich? Auch diese Frage lässt sich nicht einfach beantworten. Entdecken die Kinder beispielsweise ein neues Computerspiel, ist ein temporäres intensives Verlangen durchaus vertretbar. Stellen Eltern jedoch fest, dass Verpflichtungen wie das Erledigen von Hausaufgaben vernachlässigt werden, ist Handlungsbedarf gefragt. Medienexperten stellen Checklisten zur Verfügung, die Eltern zur Initiative auffordern, wenn mehr als drei Fragen mit „Ja“ beantwortet werden.

  1. Hat das Kind die Kontrolle über die Zeit verloren, die es vorm Bildschirm verbringt?
  2. Surft, spielt oder chattet der Nachwuchs zum Teil bis in die Nacht?
  3. Steigen die Nutzungszeiten am Bildschirm permanent an?
  4. Muss das Kind auch bei anderen Beschäftigungen stets an Handys, Computer, Konsolen & Co. denken?
  5. Distanzieren sich die Jungen und Mädchen zunehmend von Freunden und der Familie?
  6. Treten Übermüdungserscheinungen auf?
  7. Hat das Kind massiv ab- oder zugenommen?
  8. Hat das Kind Probleme damit, die Bildschirmzeiten zu begrenzen?
  9. Haben sich schulische Leistungen durch die Mediennutzung deutlich verschlechtert?
  10. Hat die Mediennutzung andere Hobbys oder Interessen verdrängt?
  11. Ist das Kind nervös oder gereizt, wenn es Konsolen & Co. nicht nutzen darf?
  12. Verzichtet das Kind auf Speisen, nur um noch länger spielen oder das Smartphone nutzen zu dürfen?
  13. Nimmt das Kind die Negativfolgen der Mediennutzung selbst wahr und verbringt dennoch immer mehr Zeit vor dem Bildschirm?
  14. Wird die Mediennutzung zunehmend als „Ventil“ zur Verdrängung von Problemen oder zum Abbau von Gefühlen wie Wut oder Ärger benutzt?

All diese Fragen gelten als wichtige Leitlinien, damit die Mediennutzung im Alltag nicht überhandnimmt. Doch auch Eltern sind dazu aufgerufen, ihre Vorbildrolle wahrzunehmen. Beispielsweise ist es wichtig, dass das Smartphone beim gemeinsamen vom Essenstisch verschwindet und bildschirmfreie Zeiten eingeführt werden. Schließlich dürfen Eltern von ihren Kindern nichts verlangen, was sie nicht selbst umsetzen können.