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Trisomie-Bluttests – Schon bald Kassenleistung?

Trisomie Bluttest

Nur kurze Zeit nach dem positiven Schwangerschaftstest stellen sich viele werdenden Eltern die Frage, ob das ungeborene Kind auch wirklich gesund ist. Doch es existieren Bluttests, die auf diese Frage eine Antwort geben. Mussten diese Tests bislang von den werdenden Eltern privat bezahlt werden, ist nunmehr von einer Kostenübernahme durch Krankenkassen die Rede.

Gegenwehr durch Mediziner und Behindertenverbände

Mehr Gewissheit auf Kosten der Krankenkassen: Was die meisten Eltern begrüßen, löst bei Ärzten, Kirchen und Behindertenverbänden Skepsis aus. Deshalb forderte ein Bündnis den Bundestag durch einen offenen Brief noch einmal dazu auf, sich erneut mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Vertreter des Bündnisses befürchten, dass die pränatalen Untersuchungen als Kassenleistung so oft angewendet werden, dass die Kontrollen einer Reihenuntersuchungen gleichen würden.

Einige Interessengruppen befürchten zudem, dass systematische Kontrollen Ungeborener mit Behinderung in vielen Fällen zwangsläufig in einer Abtreibung münden würden.

Nicht-invasive Pränataltests sind mittlerweile Standard

Die NIPT – sogenannte nicht-invasive Pränataltests – sind für werdende Mütter schon seit 2012 verfügbar. Allerdings mussten diese Leistungen bislang selbst bezahlt werden.

Bei diesem Test wird der Frau eine Blutprobe entnommen, die auf bestimmte Erbgutfehler des Fötus hin untersucht wird.

Bei einem negativen Testergebnis lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen, dass die Kinder an Behinderungen wie Trisomie 21 leiden. Ist das Testergebnis hingegen auffällig, ist ein weiterer Eingriff für eine sichere Diagnosestellung erforderlich. Eine übliche Methode ist eine Fruchtwasseruntersuchung, die jedoch in Einzelfällen zu einer Fehlgeburt führt.

Geringe Risiken für Mutter und Kindergärten

Bereits im Jahr 2019 sprach sich der Gemeinsame Bundesausschuss G-BA als aus Ärzten, Kliniken und Krankenkassen bestehendes Gremium dafür aus, den NIPT als Kassenleistung zu offerieren. Als Argument führte der Ausschuss an, dass der Bluttest im Gegensatz zu anderen Methoden völlig risikofrei für Mutter und Kind sei.

Dennoch wurde noch nicht über alle Abstimmungen entschieden. Beispielsweise wird noch über eine Broschüre diskutiert, welche betroffene Mütter über die Tests informieren soll. Daraufhin muss das Gesundheitsministerium die Broschüre noch auf formale Fehler hin analysieren. Nach der Publikation im Bundesanzeiger ändert sich der NIPT tatsächlich zur Kassenleistung.

Sorgen vor drohenden Reihenuntersuchungen

Aktuell betont der Gemeinsame Bundesausschuss G-BA zwar, dass Krankenkassen die Bluttests nur vereinzelt bezahlen werden. Jedoch sind entsprechende Voraussetzungen in dem Beschluss recht offen formuliert. Das bedeutet mit anderen Worten, dass der G-BA grundsätzlich eine indikationslose Kassenleistung abgesegnet hat.

Im Fokus steht die subjektive Besorgnis werdender Mütter, ein Leben mit einem behinderten Kind führen zu müssen.

Infolgedessen ist es nicht ausgeschlossen, dass die Tests flächendeckend für Schwangere verwendet werden könnten. Die vorläufige Version der geplanten Informationsbroschüre sieht vor, dass der NIPT zwar nicht als allgemein empfohlene Vorsorgeuntersuchung für Schwangere betrachtet wird. Dennoch ist nicht eindeutig festgelegt, für wen Krankenversicherungen die Tests im Einzelnen bezahlen sollen. Der Bluttest hat generell zwar keine Nachteile.
Zudem gibt es ganz gewiss viele Fälle, für welche sich der Bluttest anbietet. Beispiele sind ältere Frauen, da sich die Wahrscheinlichkeit für eine Chromosomenstörung mit steigendem Alter erhöht. Doch für eine 20-jährige mit unauffälligem Befund ist die Untersuchung schlichtweg überflüssig.

Ethische Diskussionen

Zudem sollten sich werdende Eltern vor Augen führen, dass der pränatale Test keine Sicherheit bietet. Stattdessen betonen Mediziner, dass das Resultat vielmehr auf einer Art Wahrscheinlichkeitsrechnung basiert. Es ist nicht zu 100 Prozent ausgeschlossen, dass der Test ein falsches positives Ergebnis erzeugt. In diesem Fall sind werdende Eltern natürlich stark verunsichert. Zudem gab es auch schon Frauen, die nach einem NIPT ihre Schwangerschaft ohne gesicherte Diagnose abbrachen. Eine Kassenzulassung der Bluttests ist zwar nicht generell falsch.
Dennoch hänge das Ergebnis in hohem Maße von einer ergebnisoffenen Aufklärung, einem aussagekräftigen Ultraschall und der passenden Indikationsstellung ab. Zudem sind ethische Diskussionen nicht von der Hand zu weisen. Schließlich beziehen sich Tests nicht nur auf eine Diagnosestellung von Trisomie 21. Mittlerweile sind auch zahlreiche Erkrankungen testbar. Es drohe eine Selektion, die aus ethischer Sicht nicht gewünscht ist. Umso wichtiger sei es, die Testverfahren mit entsprechender Vorsicht anzuwenden.