Schwangerschaft, Baby, KleinKind

Die Zeit im Wochenbett

Die Zeit im Wochenbett umfasst üblicherweise die ersten 10 Tage nach der Entbindung. Vor allem die ersten paar Tage nach der Entbindung verbringt die Wöchnerin noch im Bett.

wochenbett

Und das ist meistens auch nötig. Denn Sie sollten sich genügend Zeit nehmen, um sich von den Anstrengungen der Entbindung erholen und neue Kräfte sammeln zu können. Unterschätzen Sie die physische und psychische Anstrengung nicht, die eine Entbindung mit sich bringt. Wie lange es dauert, bis Sie wieder völlig hergestellt sind, hängt natürlich im Einzelfall immer auch davon ab, wie schwer die Geburt war – und auch von Ihrer Kondition insgesamt.

BESCHWERDEN NACH DER ENTBINDUNG

Über Krankheiten und Beschwerden während der Schwangerschaft wird viel gesprochen. Dass die Entbindung schmerzhaft sein kann, weiß jeder. Aber dass auch unmittelbar nach der Entbindung noch Probleme mit allerlei körperlichen und seelischen Beschwerden auftreten können, ist weniger bekannt. Man kann davon ausgehen, dass es nach der Entbindung insgesamt etwa 9 Monate dauert, bis Sie wieder völlig die Alte sind. Aber vor allem in der ersten Woche nach der Entbindung benötigt der Körper noch viel Kraft, um sich zu erholen. Die Schwangerschaftshormone verschwinden jetzt wieder schnell aus Ihrem Körper, und dieser Prozess kann – genau wie schon das Entstehen der Hormone während der Schwangerschaft – allerlei Beschwerden verursachen.




So kann es sein, dass Sie nachts mit heftigen Hitzewallungen und Schweißausbrüchen zu kämpfen haben. Auch dauert es eine Zeit lang, bis Sie wieder vollständig die Kontrolle über Ihre Beckenbodenmuskulatur zurückgewinnen. (Sie sollten regelmäßig die Toilette aufsuchen, auch wenn Sie keinen Drang hierzu verspüren.). Auch die Anschwellung der Brüste nach der Geburt kann Beschwerden verursachen (die unabhängig davon entstehen können, ob Sie Ihr Kind stillen oder nicht). Viele Frauen verspüren auch ein unangenehmes Prickeln in den Fingern und Händen oder leiden unter Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit und ähnlichen Symptomen.

Achtung:Sie sollten im Zweifelsfall Ihren Arzt fragen, ob Ihre Schmerzen normal sind und was Sie eventuell dagegen unternehmen können. Auch die Einnahme von Schmerzmitteln sollten Sie stets vorab mit Ihrem Arzt besprechen. Wenn Sie 6 Stunden nach der Entbindung noch nicht urinieren können oder bei Ihnen heftige Nachblutungen auftreten, sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen!

NACHWEHEN

Vor allem bei einer schnellen Entbindung und der Geburt eines zweiten oder weiteren Kindes können auch nach der Entbindung noch Wehen oder Krämpfe auftreten. Diese gehen von selbst vorüber. Hier ein paar Tipps gegen die Schmerzen:

  • Sorgen Sie dafür, dass Ihre Blase vollständig leer ist.
  • Wärme (Wärmflasche, eine warme Dusche …)
  • Massage
  • Nach Absprache mit Ihrem Arzt können Sie eventuell Paracetamol einnehmen.

NACHBLUTUNGEN

In den ersten Wochen nach der Geburt kommt es meist zu Nachblutungen. Während der Zeit im Wochenbett verlieren Sie viel Blut (daher die Größe der Binden für Wöchnerinnen!). Am ersten Tag direkt nach der Geburt müssen die Binden im Stundentakt gewechselt werden. Nach einem Tag lässt die Blutung langsam nach. In den ersten Wochen nach der Entbindung treten bei den meisten Frauen Nachblutungen auf, die in etwa mit der üblichen Menstruationsblutung zu vergleichen sind. Im Normalfall legt sich das nach ca. 5 Wochen.

Haben Sie den Eindruck, dass Sie zuviel Blut verlieren, sollten Sie einen Arzt aufsuchen!

DAMMRISSE, DAMMSCHNITTE

Ihr Körper hat bei der Entbindung mit Sicherheit ein paar Blessuren davongetragen. Es kann sein, dass Sie unter Muskelkater oder Müdigkeitserscheinungen leiden, oder dass Sie vom Pressen Hämorrhoiden bekommen haben. Bei manchen Frauen verursachen genähte Dammrisse oder -schnitte auch Schmerzen beim Wasser lassen oder beim Sitzen. In letztgenanntem Falle sollten Sie das Sitzen auf einem harten Stuhl einem weichen Sofa den Vorzug geben. Sie spüren die Schmerzen dann weniger stark, und außerdem wird durch das Sitzen auf einem harten Stuhl die Feuchtigkeit aus der Wunde gepresst. Im Normalfall lösen sich die Nähte von selbst auf. Wenn dies nach 6 Tagen noch nicht der Fall ist, sollten Sie Ihren Hausarzt darum bitten, die Nähte zu entfernen.

HÄMMORRHOIDEN

Es kann passieren, dass Sie vom Pressen bei der Entbindung Hämmorrhoiden (=Ausstülpungen rund um den Anus) bekommen haben. Durch ausreichendes Trinken und faserreiche Nahrung können Sie den Stuhlgang erleichtern. Eventuell können Sie Ihren Hausarzt auch um ein Abführmittel, Zäpfchen oder eine geeignete Salbe bitten. In den meisten Fällen bilden sich die Hämmorrhoiden von selbst wieder zurück oder verschwinden gänzlich.

SCHMERZEN IN DER BRUST

Am dritten oder vierten Tag nach der Entbindung beginnen die Brüste, Milch abzusondern – auch wenn Sie Ihr Kind nicht stillen wollen! Die angeschwollenen Brüste können ziehende Beschwerden verursachen. Ein stabiler, stramm sitzender BH macht die Schmerzen erträglicher. Wenn Sie sich fürs Stillen entschieden haben, sollten Sie Ihrem Kind möglichst häufig die Brust geben oder ab und zu Milch abpumpen. Wenn Sie Ihr Kind nicht stillen, wird sich die Milchproduktion von selbst einstellen.

BABYBLUES ODER POSTNATALE DEPRESSION

Es ist ganz normal, dass Sie nach einer Entbindung nicht nur körperlich sondern auch seelisch weniger belastbar sind als sonst. Sie haben schließlich einiges durchgemacht. Besonders eine Erstgeburt verändert das Leben beträchtlich. Der Schlafmangel tut ein übriges. Dazu kommen noch die Hormone, die Ihren Körper jetzt wieder steuern. Bei all diesen Belastungen ist es denn auch kein Wunder, dass Wöchnerinnen schnell mal in Tränen ausbrechen können. Die meisten Frauen haben hiermit zu kämpfen, besonders zwischen dem vierten und zehnten Tag nach der Entbindung. Sie sind erschöpft, Ihnen kommen wegen belangloser Kleinigkeiten die Tränen, oder sie reagieren agressiv, und manchmal haben Sie das Gefühl, dass Ihnen alles über den Kopf wächst. Das ist ganz normal. Fast jede Frau, die eine Entbindung erlebt hat, kennt diese Situation. In den meisten Fällen treten solche postnatalen Depressionserscheinungen in Schüben auf oder halten ein paar Tage lang an. Wenn es gar nicht besser wird und auch gute Nachtruhe nicht weiterhilft, sollten Sie sich hierüber mit Ihrem Hausarzt unterhalten.

BEISTAND UND HILFE IM WOCHENBETT

Sie werden in dieser Zeit vielleicht ein extra großes Bedürfnis nach einem warmen Bad haben, um sich zu entspannen oder wieder gänzlich sauber zu werden. Leider ist dies jedoch solange Tabu, wie Sie noch Nachblutungen haben. Durch den Blutverlust und die Schwächung des Immunsystems sind Sie jetzt anfälliger für Infektionen. An der Stelle, an der die Plazenta an der Gebärmutter hing, ist jetzt eine Wunde, die solange Sie noch Nachblutungen haben nicht ausgeheilt ist und sich noch infizieren kann. Duschen ist erlaubt. Duschen Sie regelmäßig und erneuern Sie die Wöchnerinnen- /Damenbinde häufig. Wenn die Wunde aufreißt, sollten Sie sie nach jedem Toilettenbesuch mit einer Flasche Wasser sauberspülen oder in Biotex oder Kamillenthee einweichen, um zu verhindern, dass rund um die Nahtstellen Entzündungen entstehen.

Außer auf Hygiene zu achten sollten Sie auch dafür sorgen, dass Sie genügend Ruhe haben. Versuchen Sie mittags, so lange wie möglich zu schlafen, um wieder zu Kräften zu kommen. Sie müssen sich jetzt nicht nur von der schweren körperlichen Anstrengung der Entbindung erholen, sondern haben wahrscheinlich auch bereits einige unruhige Nächte hinter sich gebracht und noch jede Menge vor sich.

VÄTER, VERWÖHNT EURE FRAUEN!!

Vergessen Sie als frischgebackener Vater nicht, die Mutter Ihres Kindes noch ein bißchen zu verwöhnen und ihr eine Extraportion Aufmerksamkeit und Fürsorge zu schenken. Auch Blumen oder ein anderes schönes Geschenk sind ein guter Tipp. S chöne Geschenkideen finden Sie auch unter auf dieser Seite. Und vergessen auch Sie als Vater nicht, sich selbst ab und zu ein wenig auszuruhen, wann immer dies möglich ist. Sie haben eine stressige Zeit vor sich, und Ihre Hilfe wird mit Sicherheit gebraucht!

HEBAMMENHILFE UND ÄRZTLICHE KONTROLLEN

Sie werden die Folgen der Entbindung in jedem Fall noch eine Zeit lang spüren, selbst wenn es bei Ihnen eine „leichte“ Geburt war. Die Beckenbodenmuskulatur ist noch gedehnt. Sie sollten sich genügend Zeit nehmen, um Ihre Beckenbodenmuskulatur langsam und allmählich wieder aufzubauen. Forcieren Sie nichts, denn das werden Sie später bereuen. Zum Glück sind Sie Ihrem Schicksal nicht alleine überlassen. Wahrscheinlich können Sie auf Unterstützung von Ihrem Partner, Ihrer Familie oder aus Ihrem Freundeskreis rechnen. Darüber hinaus gibt es professionelle Hilfe. Wenn Sie im Krankenhaus liegen, werden Sie selbstverständlich den ganzen Tag versorgt. Wenn Sie zu Hause sind, kommt die Geburtshelferin normalerweise einmal am Tag vorbei, um nach Ihnen zu schauen. Und dann gibt es natürlich noch die Hebammenhilfe.

Es hängt ein bißchen von Ihrer Versicherung und den Umständen ab, aber in den meisten Fällen übernimmt die Kosten die Versicherung für eine Hebammenhilfe für 4 bis 8 Stunden am Tag. Diese ist vor allem dafür zuständig, auf das Baby aufzupassen und es zu versorgen, die Wöchnerin medizinisch zu betreuen (u.a. Temperatur messen, Urin-, Blut- und Wunduntersuchungen, Rücksprache mit dem zuständigen Arzt bei eventuellen Komplikationen etc.

Darüber hinaus ist die Hebammenhilfe für die Versorgung des Babys zuständig und gibt jungen Eltern wenn nötig Tipps und Ratschläge.

BESUCH AM WOCHENBETT

Sie sollten diese Zeit auf jeden Fall genießen. Ruhen Sie sich jetzt, wo Sie noch genügend Hilfe bekommen, so gut wie möglich aus. Planen Sie auch gemeinsam mit Ihrem Partner, wie viele Arbeitstage sich Ihr Partner eventuell nach der Geburt Ihres Kindes nehmen kann. Die meisten Betriebe gewähren Ihren Angestellten 2 bis 4 Urlaubstage. Es kann sinnvoll sein, diese Urlaubstage erst zu nehmen, wenn Sie die Hebammenhilfe nicht mehr in Anspruch nehmen können. Andererseits ist es natürlich auch toll, wenn Papa das neugeborene Kind gleich in den ersten Tagen Vollzeit mitgenießen kann.

Sie sollten mit Ihrem Partner auch vorab darüber sprechen, wer wann einen Besuch am Wochenbett abstatten kommt und wie lange der Besuch bleiben darf. Wenn Ihr Besuch zu lange bleibt, sollten Sie auch nicht zögern, ihn darauf hinzuweisen, dass ein Besuch am Wochenbett höchstens 1 bis 2 Stunden dauern sollte. Es wird Ihnen keiner übel nehmen, dass Sie jetzt gut für sich selbst sorgen. Am einfachsten ist es, wenn Sie vorab feste Besuchszeiten festlegen, sodass Ihr Tagesrythmus nicht durch jeden Besuch durcheinander gerät. Versuchen Sie vor allem, sich so häufig wie möglich auszuruhen, halten Sie einen Mittagsschlaf, und gehen Sie abends nicht zu spät ins Bett. Denn Sie müssen ohnehin damit rechnen, mehrmals in der Nacht wieder aufzustehen zu müssen, wenn Ihr hungriges Baby schreit.

Es gibt auch die Möglichkeit, ein Geburtsfest zu veranstalten. Laden Sie Ihre Freunde ein paar Wochen nach der Geburt Ihres Kindes ein, wenn Sie selbst wieder ein bißchen zu Kräften gekommen sind. Sie können ein solches Fest bei sich zu Hause veranstalten oder aber irgendwo einen Tisch reservieren lassen. Bei einem solchen Geburtsfest geben Sie Ihrem gesamten Freundeskreis die Möglichkeit, Ihr Baby gebührend zu bewundern, ohne jeden Tag Besuch empfangen und hierfür Vorbereitungen treffen zu müssen. Sie können die Einladung zum Geburtsfest gemeinsam mit den Geburtskarten verschicken, eventuell auf einem separaten Einlegeblatt, wenn Sie nicht gleich jeden einladen möchten.

STILLEN ODER FLASCHE GEBEN

Egal, was einige Experten für Brusternährung auch behaupten mögen, es ist nicht immer einfach, ein Kind zu stillen. Bei manchen Müttern und Kindern läuft alles wie am Schnürchen, bei anderen wiederum gibt es in den ersten Wochen eine Menge Probleme: Milchstau, zu träger oder zu starker Milchfluss, oder das Kind nimmt die Brust nicht an bzw. trinkt zu wenig, Brustentzündungen, verletzte Brustwarzen und vor allem viele Zweifel.

Überlegen Sie sich gut, was Sie wollen. Durch das Stillen bekommt Ihr Baby eine Menge Antikörper, was sich überdies auch positiv auf Ihre eigene Gesundheit auswirkt. Frauen, die über längere Zeit stillen, laufen weniger Risiko, später an Brustkrebs zu erkranken. Auf der anderen Seite ist das Aufziehen mit der Flasche eine gute und bewährte Alternative.

Es ist vor allem wichtig, dass Sie diese Entscheidung selbst treffen: Denn Sie sind eine gute Mutter, unabhängig davon, ob Sie Ihr Kind nun stillen oder es mit der Flasche aufziehen wollen. Lassen Sie sich nicht von anderen unter Druck setzen. Über die Vorteile des Stillens wird in den Medien viel berichtet, weniger häufig wird darüber gesprochen, dass mit dem Stillen auch Nachteile verbunden sind und dass das Aufziehen mit der Flasche eine wirklich gute Alternative darstellt.

DAS STILLEN KLAPPT NICHT?

Wenn Sie sich dazu entschlossen haben, Ihr Kind zu stillen, dabei aber Probleme auftauchen, sollten Sie so schnell wie möglich fachkundigen Rat bei einem Spezialisten für Brusternährung einholen. Es ist nämlich wichtig, dass die Brusternährung so schnell wie möglich klappt. Fragen Sie Ihren Arzt nach einer Beratungsadresse!

DIE ERSTEN TAGE IHRES BABYS

Lesen Sie mehr über die ersten Tage Ihres Babys auf unserer Seite Die ersten Wochen mit Ihrem Baby. Hier finden Sie Informationen zum Thema Wickeln, Baden etc.