Schwangerschaft, Baby, KleinKind

Entwicklung Kind 1 bis 4 Jahre alt

ENTWICKLUNG DES KINDES IM ALTER VON 1 BIS 4 JAHREN

Kind lernt laufenDie körperliche und geistige Entwicklung des Kindes geht noch immer in schnellen Schritten voran, auch wenn das Kind sich jetzt etwas langsamer entwickelt als im ersten Lebensjahr. So wächst zum Beispiel ein Baby ungefähr 25 Zentimeter im Jahr, ein Kleinkind 8 Zentimeter im Jahr. Doch natürlich passiert auch in diesen Kleinkinderjahren viel: Ihr Kind wird immer selbständiger, kann und möchte immer mehr selbst tun. Doch es braucht natürlich noch immer viel Unterstützung von Ihrer Seite. Noch ist es viel zu früh, um Ihr Kind echt allein zu lassen.




MOTORISCHE ENTWICKLUNG

Einige superschnelle Babys können bereits vor ihrem ersten Geburtstag laufen, die meisten Kinder werden aber erst im zweiten Lebensjahr richtig mobil. Es beginnt mit ein paar steifen Schrittchen. Am Anfang zieht das Kind noch bei jedem Schritt die Knie an, und wenn es die Füße absetzt, berühren zuerst die Zehen und nicht die Ferse den Boden, oder das Kind setzt den Fuß flach auf den Boden auf. Erst später, wenn das Kind schon eine Weile geübt hat, geht das Laufen leichter vonstatten und wird das Kind den Fuß bei jedem Schritt von der Ferse bis zu den Zehen abrollen. Die Muskulatur wird stärker, das Gleichgewichtsgefühl verbessert sich. Das Kind lernt, je nach Situation schneller oder langsamer zu laufen, stehen zu bleiben, sich umzudrehen und beim Laufen über kleine Hindernisse zu steigen, die auf dem Weg liegen.

Danach folgen noch komplexere Bewegungsabläufe wie rennen, auf eine Bank klettern, mit beiden Füßen in die Luft springen… Ihr Kind wird dies toll finden und wird nichts lieber tun, als die neu gelernten Bewegungsabläufe den ganzen Tag und überall auszuprobieren. Ideal hierfür ist eine mit Gras bewachsene oder mit Sand bedeckte Spielfläche oder ein Spielbereich im Haus, der mit weichen Kissen oder Schaumstoffmatratzen ausgelegt wird. Hier kann Ihr Kind nach Herzenslust klettern und herumtoben, ohne sich dabei zu verletzen oder sich irgendwo zu stoßen. Gewähren Sie Ihrem Kind freien Lauf. Sorgen Sie auch dafür, dass Ihr Haus sicher und kinderfreundlich eingerichtet ist und Ihr Kind genügend Raum hat, um seine Motorik einzuüben.

Im Alter von zwei bis vier Jahren lernt Ihr Kind, sich selbständig auszuziehen und ein wenig später auch sich selbst anzukleiden, auch wenn es dazu anfangs noch Hilfe braucht: So wird es manchmal den rechten Fuß in den linken Schuh stecken, die Hose falsch herum und das T-Shirt von links anziehen. Doch wie stolz wird es darauf sein, sich selbständig angezogen zu haben! Mit Reißverschlüssen und Schnürsenkeln hat das Kind noch Probleme. Ab einem Alter von 3 Jahren können die meisten Kinder schon selbständig Treppenstufen hinauf und hinunter laufen.

FEINMOTORIK

Auch die Feinmotorik entwickelt sich enorm schnell. Türme aus Bausteinen bauen, mit einem Bleistift oder mit Kreide kritzeln, mit Schlamm, Sand oder Wasser spielen, die Seiten eines Bilderbuches umschlagen und selbständig essen sind nur einige der Dinge, die das Kind nun lernt. Mit der Zeit werden aus dem anfänglichen Gekritzel echte Zeichnungen: Das Kind überlegt sich vorher, was es malen möchte, z.B. ein Auto oder eine Puppe und wird versuchen, die Striche so zu ziehen, dass am Ende eine richtige Zeichnung herauskommt. So entstehen die ersten Bilder von „Kopffüßlern“. (In allen Kulturen malen die Kinder ihre ersten Bilder von Menschen auf dieselbe Weise: einen Kreis als Kopf mit Strichen daran für Arme und Beine. Erst später wird auch der Bauch gezeichnet, bekommt der Kopf Haare und werden Arme und Beine nicht mehr mit einem, sondern mit zwei Strichen gezeichnet.)

Wenn das Kind schon etwas älter ist, beginnt es sich vielleicht für das Lesen und Schreiben von Buchstaben zu interessieren. Bringen Sie ihm als erstes den ersten Buchstaben seines eigenen Namens bei oder das ‚O‘ von ‚Oma‘. Forcieren Sie Ihr Kind aber nicht, wenn es noch kein Interesse am Lesen und Schreiben zeigt.

DER ABSTAND ZWISCHEN IHNEN UND IHREM KIND

Da Ihr Kind jetzt viel mobiler ist, wird es nun auf eigene Faust seine Welt entdecken und erkunden. Als Eltern oder Erzieher haben Sie jetzt alle Hände voll zu tun, um dafür zu sorgen, dass dem Kind nichts passiert. Tut das Kind etwas Verbotenes oder Gefährliches, so müssen Sie es davon abhalten. Sorgen Sie dafür, dass Sie mit Ihrem Kind auf gleicher Augenhöhe sind, und signalisieren Sie ihm wenn nötig ein ruhiges und deutliches „Nein“. Schreien Sie Ihr Kind niemals an, und sorgen Sie dafür, dass es sich nicht zu weit von Ihnen entfernt. Auch wenn seine Augen und Ohren prima funktionieren, ist es bei Kleinkindern in diesem Alter noch nicht möglich, über eine größere Entfernung hinweg zu kommunizieren. Die Faustregel ist, dass man sich nur so viele Meter von dem Kind entfernen sollte, wie das Kind an Jahren alt ist. Von einem einjährigen Kleinkind dürfen Sie sich also nicht mehr als einen Meter entfernen. Ein vierjähriges Kind wird Sie auch dann noch verstehen, wenn Sie sich aus einem Abstand von vier Metern mit ihm unterhalten.

EMOTIONALE ENTWICKLUNG Kleinkind

TRENNUNGSANGST UND SELBSTÄNDIGKEIT

Ihr Kleinkind ist jetzt ein Stück mobiler als noch im ersten Lebensjahr. Es bestimmt zum größten Teil selbst, wohin es gehen möchte und wohin nicht. Manchmal wird es Ihnen den ganzen Tag am Rockzipfel hängen und Ihr Verhalten nachahmen. An anderen Tagen wird es selbst auf Entdeckungsreise gehen und Sie schnell vergessen, wenn auf der anderen Straßenseite zum Beispiel jemand mit einer interessanten Drehorgel steht.

Viele Kinder beginnen um den zwölften bis vierzehnten Lebensmonat herum erneut zu fremdeln. Ihr Kind begreift immer besser, dass es eine eigene Persönlichkeit hat und ist nicht mehr so abhängig von Ihnen. Es wird körperlich immer mobiler und kann sich schneller von Ihnen entfernen. Andererseits ist es aber natürlich noch lange nicht in der Lage, längere Zeit ohne Sie auszukommen, und diese Erkenntnis kann für Ihr Kind manchmal beängstigend sein. Viele Kinder reagieren deshalb traurig oder fühlen sich im Stich gelassen, wenn Sie zum Beispiel im Kindergarten alleine zurückgelassen werden. Ihr Kind ist inzwischen intelligent genug, um zu begreifen, dass Sie nicht da sind (nur weil es Sie nicht sieht, heißt dies nicht, dass es nicht an Sie denkt), aber muss noch lernen, dass es sich darauf verlassen kann, dass Sie wieder zurückkommen und dass es in der Zwischenzeit auch ohne Sie auskommen kann. Siehe hierzu auch das Kapitel über Trennungsangst.

Andererseits möchte Ihr Kind jetzt vielleicht immer häufiger selbständige Unternehmungen machen, ohne Papa und Mama. Es kann immer mehr und begreift, dass es eine eigene Persönlichkeit und einen eigenen Willen hat. Es will „selber“ essen (oder selbst bestimmen, dass es NICHT essen will!), selbst bestimmen, wohin es gehen möchte, welche Kleider es anziehen will usw. Lassen Sie Ihrem Kind genügend Freiraum, um eigene Erkundungen zu machen und neue Dinge auszuprobieren, aber lassen Sie es dabei niemals ganz aus dem Auge, und lassen Sie Ihr Kind vor allem auch deutlich merken, dass Sie immer da sind, wenn es Hilfe oder Trost braucht (ein sicherer Hafen). Ein Kind, das sich geliebt und geborgen fühlt, wird sich besser entwickeln als ein ängstliches Kind, das kein Vertrauen zu seinen Eltern hat.

ÄNGSTE, WUTAUSBRÜCHE UND PHANTASIE

Auch Kleinkinder haben ihre eigenen Ängste. Es ist ganz normal, dass ein Kind in einem bestimmten Alter nochmals eine Periode durchmacht, in der es wieder stärker fremdelt und emotionaler oder ängstlicher wird. Ein Kleinkind beginnt, nachzudenken, über die Dinge, die es umgeben und lernt die Welt besser zu verstehen – aber eben noch nicht ganz. Was es noch nicht verstehen kann, erfasst das Kind mit seiner Phantasie und schafft sich auf diese Weise seine eigene Zauberwelt. In dieser Welt können ganz gewöhnliche Dinge, wie Schatten an der Wand des Kinderzimmers oder Tiger, die das Kind beim Besuch im Zoo gesehen hat, Angstvorstellungen hervorrufen, die dann dazu führen, dass das Kind zum Beispiel ein Krokodil unter seinem Bett zu sehen glaubt… Manche Kinder beginnen dann wieder zu fremdeln, klammern sich an ihre Eltern oder ihnen vertraute Personen und reagieren ängstlich auf neue Situationen.

Die Angst überfällt ein Kind urplötzlich und ist in diesem Moment für das Kind sehr real. Es geht dann nicht darum, dass Sie selbst das böse Krokodil nicht sehen können, sondern um die Tatsache, dass Ihr Kind Angst hat und erst wieder beruhigt werden muss, um wieder einschlafen zu können. Erklären Sie Ihrem Kind in solchen Situationen nicht, dass es keine Angst haben muss, sondern trösten Sie es, und versuchen Sie zu einem späteren Zeitpunkt, wenn die Angst verebbt ist, nochmals mit Ihrem Kind über seine Ängste zu sprechen, oder warten Sie damit solange, bis das Kind das Thema von selbst anspricht. Versuchen Sie eventuell, ihrem Kind mit Hilfe eines Buches oder einer selbsterfundenen Geschichte bei der Überwindung seiner Angst zu helfen. Im Laufe der Zeit verschwinden solche Ängste meist von selbst.

KUSCHELTIERE UND PUPPEN

Puppe kann Ihrem Kind viel Sicherheit geben. In schwierigen Situationen kann es für das Kind ein Trost sein, wenn es sich an einer Puppe oder an einem Kuscheltier festhalten kann. Auch wird die Puppe oder das Kuscheltier vom Kind als ein Begleiter empfunden, der dieselben Dinge erlebt und dieselben Erfahrungen macht, wie das Kind selbst. Und dieser Begleiter ist immer mit dabei (auch im Bett, wenn sonst niemand in der Nähe ist), läuft nicht davon und bleibt immer derselbe. Es ist auch zweifellos so, dass Kindern das Sprechen mit einer Puppe oder einem Kuscheltier leichter fällt. Beim Spielen mit Puppen erlernen Kinder gewisse Fertigkeiten. Es geht dabei um alle möglichen Dinge: vom Aufpassen auf die Puppe bis zum Umgang mit bestimmten sozialen Situationen. Puppen können den Platz von Freunden oder Freundinnen einnehmen. Das Sprechen mit einer Puppe ist einfacher, denn schließlich erwidern Puppen nichts und kann das Kind daher auch nichts Falsches sagen, wenn es mit seiner Puppe spricht. Auch ‚versteht‘ die Puppe alles, was das Kind sagt. Wenn ein Kind seine Puppe überall hin mitschleppt, kann es seine Erlebnisse immer mit der Puppe teilen. Das Kind kann seiner Puppe auch allerlei Geheimnisse anvertrauen, denn er/sie erzählt nichts weiter. Außerdem denkt sich das Kind selbst aus, was die Puppe ihm „antwortet“. Und es bekommt dabei immer nur die gewünschten Reaktionen zurück.

PHANTASIE

Viele Kinder haben in diesem Alter eine blühende Phantasie. Plötzlich „sind“ sie Bob, der Baumeister oder sprechen mit unsichtbaren Freunden und können gänzlich in Ihren Phantasiespielen und ihrer eigenen Zauberwelt aufgehen.

Die imaginären Freunde oder ihre Spielzeugpuppen erleben allerlei Abenteuer. Meistens geht es dabei um ganz alltägliche, aber für das Kind sehr spannende Dinge, wie ein Besuch beim Arzt oder ein toter Fisch im Wasser. Manchmal ahmt das Kind das typische Verhalten eines verärgerten Vaters oder einer verärgerten Mutter perfekt nach, wenn es seinen Teddybären beschimpft, der angeblich „böse“ war. Wenn Sie gut darauf achten, wie Ihr Kind spielt, und was es sagt, während es spielt, können Sie hierdurch einen besseren Einblick darüber bekommen, was in seinem Kopf vor sich geht. Phantasie ist nichts schlechtes. Im Gegenteil, diese Art von Phantasiespielen hilft Ihrem Kind dabei, neue Ideen zu entwickeln und das Leben von einer anderen Seite aus zu betrachten. Genießen Sie es, Ihrem Kind beim Spielen zuzuschauen, und machen Sie sich seinen Spieltrieb zunutze. Wenn Ihr Kind zum Beispiel Angst davor hat, zum Arzt zu gehen, können Sie zuerst sein Kuscheltier „untersuchen“. Geben Sie Ernie eine Spritze – wonach Ernie natürlich furchtbar anfängt zu schreien und zu weinen. Dann sagen Sie Ernie, dass er sich nicht so anstellen soll, sondern sich lieber ein Beispiel daran nehmen sollte, wie tapfer sein Freund/seine Freundin [Name Ihres Kindes] ist, wenn es eine Spritze bekommt.