Schwangerschaft, Baby, KleinKind

Ernährung während der Schwangerschaft

ObstWährend der gesamten Schwangerschaft ist Ihr Baby abhängig von dem, was Sie essen und trinken. Ab dem ersten Tag Ihrer Schwangerschaft sind Sie entsprechend nicht mehr nur allein für sich selbst sondern auch für Ihr Kind verantwortlich. Die richtige Ernährung spielt eine wichtige Rolle. Aber was ist ‚gute‘ und was ist ’schlechte‘ Ernährung während der Schwangerschaft?

Die richtige Ernährung während der Schwangerschaft

NicHT FÜR ZWEI ESSEN

Die Qualität der Ernährung muss hoch sein. Dies ist nötig, da der Körper während der Schwangerschaft zusätzliche Vitamine und Mineralstoffe braucht. Hierbei ist Ihnen jedoch keinesfalls mit dem Motto ‚essen für zwei‘ gedient. Für schwangere Frauen gelten diegleichen Regeln zur Basisernährung wie für Erwachsene im Allgemeinen. Sie sollten nicht für 2 Personen essen, da Sie sich während der Schwangerschaft weniger bewegen und hierdurch weniger Energie verbrauchen. Kurz gesagt: Dadurch, dass Sie sich weniger bewegen, steht Ihrem Körper zusätzliche Energie (Nahrung) für Ihr Baby zur Verfügung.

EIN EXTRA AN VITAMIN D UND FOLIUMSÄURE

Schwangere Frauen benötigen zusätzliche Mengen an Foliumsäure (Vitamin B11) und Vitamin D. Diese beiden Vitamine müssen über Nahrungsergänzungsmittel (z. B. in Form von Tabletten oder Tropfen) eingenommen werden. Die empfohlenen Mengen an Foliumsäure und Vitamin D sind während der Schwangerschaft so hoch, dass sie nicht allein durch eine gesunde, normale Ernährung erzielt werden können. Außer diesen beiden Vitaminen sind keine weiteren Nahrungsergänzungsmittel notwendig.

Foliumsäure wird ab spätestens vier Wochen vor der Befruchtung bis einschließlich der achten Schwangerschaftswoche eingenommen. Sie sollten also bereits mit der Einnahme von Foliumsäure beginnen noch bevor Sie schwanger sind. Vitamin D wird während der gesamten Schwangerschaft eingenommen. Wählen Sie ein Multivitaminpräparat speziell für schwangere Frauen. In diesen Präparaten sind alle anderen Vitamine gering dosiert. Alternativ können Sie Foliumsäure und Vitamin D auch in Form von Einzelpräparaten zu sich nehmen.

WAS BEWIRKT FOLIUMSÄURE?

Foliumsäure ist sehr wichtig für die Entwicklung von Gehirn und Rückenmark Ihres Babys. Untersuchungen haben ergeben, dass Frauen, die während der Schwangerschaft ein Foliumsäurepräparat zu sich nehmen, ein geringeres Risiko laufen, ein Kind mit offenem Rücken, einer Hasenscharte und /oder einem offenen Gaumen zu gebähren. Aus diesem Grunde wird die Einnahme von Foliumsäure in Form eines Nahrungsergänzungsmittels ab vier Wochen vor der Befruchtung bis einschließlich der achten Schwangerschaftswoche empfohlen. Ärzte ordnen die Einnahme von Foliumsäure über einen Zeitraum von zehn Wochen an, angefangen am ersten Tag der letzten Menstruation. Die täglich benötigte Menge an Foliumsäure beträgt 0,4 mg.

WAS BEWIRKT VITAMIN D?

Vitamin D sorgt für eine gute Aufnahme von Calcium aus der Nahrung. Vitamin D ist damit mit am Aufbau und Erhalt der Knochen beteiligt. Während der Schwangerschaft wird täglich eine zusätzliche Menge an Vitamin D von 5 Mikrogramm benötigt. Insgesamt sollten Sie während der Schwangerschaft 7,5-10 Mikrogramm Vitamin D einnehmen. Vitamin D wird bei ausreichender Sonneneinwirkung in den Hautzellen produziert und ist ebenfalls in bestimmten Nahrungsmitteln wie Margarine, Fleisch, Back- und Bratfetten enthalten. Die Höchstzahl von 10 Mikrogramm gilt für Frauen, die eine dunkle Hautfarbe haben oder sehr selten ans Tageslicht kommen, wodurch in den Hautzellen nicht genügend Vitamin D produziert werden kann. Die während der Schwangerschaft zusätzlich benötigte Menge an Vitamin D kann nicht durch die Nahrung aufgenommen oder vom Körper selbst produziert werden. Daher wird die Einnahme von zusätzlichem Vitamin D in Form von Nahrungsergänzungsmitteln empfohlen.




ZWEIMAL PRO WOCHE FISCH

Dieser Ratschlag gilt übrigens auch für nicht-schwangere Frauen. Die in Fisch enthaltenen Fettsäuren (EPA und DHA) sind wichtig für die Entwicklung von Gehirn und Sehkraft. Hierauf sollten Sie während Ihrer Schwangerschaft besonders achten. Es ist noch nicht hinreichend untersucht worden, inwieweit die Einnahme von Fischfettsäuren in Form von Tabletten oder über andere Nahrungsergänzungsmittel einen nützlichen Effekt auf die Gesundheit von schwangeren Frauen (und ihren ungeborenen Babys) hat. Der Körper reagiert nämlich anders auf künstliche Fischfettsäuren als auf solche, die über die Nahrung aufgenommen werden.

AUSREICHEND CALCIUM

2 bis 3 Gläser Milch und 1 bis 2 Scheiben Käse sind ausreichend, um den täglichen Bedarf an Calcium zu decken. Anstelle von gewöhnlicher Milch können Sie natürlich auch auf alternative Produkte wie Buttermilch, Joghurt, Schokomilch, Pudding usw. zurückgreifen.

VERBOTENE NAHRUNGSMITTEL

Einige Lebensmittelinfektionen sind während der Schwangerschaft besonders gefährlich. Daher muss einer durch Bakterien verursachten Infektion unbedingt vorgebeugt werden.

Hierzu einige Tipps:

  • Verzehren Sie Fleisch und Huhn nur wenn es gut durchgegart ist. Vermeiden Sie Rostbeaf, Filet Americain, Tartar oder Carpaccio. Dies sind Gerichte aus rohem Fleisch. Fleischwaren wie roher Schinken, Rauchfleisch, Speck und Wurst sind berarbeitet und können daher bedenkenlos verzehrt werden. Durch den Verzehr von rohem Fleisch können sich Trichinenlarven in den Darm einnisten, die eine Infektion verursachen und den Foetus beschädigen können (und zwar vor allem an den Organen und den Augen).
  • Gemüse vor dem Verzehr stets gut waschen.
  • Meiden Sie vorverpacktes rohes Gemüse.
  • Achten Sie darauf, dass zubereitete Gerichte nicht mit rohen Gerichten in Berührung kommen.
  • Meiden Sie Weichkäse aus Rohmilch: Eine Infektion mit Listeriose kann eine Fehlgeburt verursachen. Achten Sie dabei auf Produkte wie Camembert, Brie oder Mozarella.
  • Vermeiden Sie vorverpackten geräucherten Fisch.
  • Leber und leberhaltige Produkte sollten nur in kleinen Mengen verzehrt werden, da zu hohe Dosierungen von Vitamin A dem ungeborenen Kind schaden können. Ein Butterbrot, das mit 15-20 Gramm eines leberhaltigen Produkts, wie z. B. Paté, Leberwurst oder Hausmacher belegt ist, kann jedoch bedenkenlos verzehrt werden.
  • Kein Alkohol! Der Verzehr von Alkohol kann für Ihr Baby sehr schädlich sein.
  • Maximal 2 Portionen Raubfisch pro Woche, wie z. B. Schwertfisch, Zander, Hai, Königsmakrele und frischer Thunfisch können bedenkenlos verzehrt werden, mehr sollten Sie allerdings lieber nicht essen, da diese Fischwaren relativ hohe Mengen an Quecksilber enthalten. Thunfisch aus der Dose enthält weniger Quecksilber als frischer Thunfisch. Ihr Baby reagiert besonders empfindlich auf Quecksilber.
  • Verzehren Sie Lakritze nur in Maßen. Lakritze erhöht den Blutdruck.
  • Seien Sie vorsichtig mit Koffein. Mehr als vier Tassen Kaffee pro Tag sind nicht zu empfehlen.

Auch von Diäten während der Schwangerschaft ist abzuraten, da der Körper hierdurch unzureichend mit Nährstoffen versorgt wird. Ein anderer wichtiger Punkt ist natürlich rauchen: Zigaretten sind während der Schwangerschaft ein absolutes Tabu. Weitere wichtige Informationen rund um die Ernährung während der Schwangerschaft finden Sie auf den do’s en dont’s auf dieser Seite.

ÜBERGEWICHT UND UNTERGEWICHT während der Schwangerschaft

Zum Schluss noch einige Bemerkungen zum Körpergewicht der Frau während der Schwangerschaft. Übergewicht aber auch Untergewicht können negative Folgen für die Schwangerschaft haben.

Übergewicht vor und während der Schwangerschaft erhöht das Risiko auf Schwangerschaftsdiabetes und Hypertensie für die Mutter und auf Behinderungen für das Kind. Überdies laufen schwangere Frauen mit Übergewicht ein größeres Risiko auf Schwangerschaftsvergiftungen. Neurale Schlauchdefekte (wie offener Rücken oder Hasenscharte) kommen bei Babys, die von übergewichtigen Frauen ausgetragen werden, häufiger vor als bei Babys von normalgewichtigen Frauen. Auch ist die Sterberate unter Neugeborenen für Babys von übergewichtigen Frauen höher. Und schließlich laufen Kinder mit einer übergewichtigen Mutter ein höheres Risiko, später selbst Übergewicht zu entwickeln.

Aber: Es ist auch nicht gut, während der Schwangerschaft eine Diät zu halten. Ihr Körper erleidet dann nämlich einen Mangel an Nährstoffen. Wenn Sie an Übergewicht leiden, sollten Sie versuchen abzunehmen, bevor Sie schwanger werden. Dasselbe gilt natürlich auch für den Konsum von Zigaretten und Alkohol und für die Umstellung der Ernährung auf einen gesünderen Lebensstil im Allgemeinen.

OUntergewicht bei der Mutter wird u. a. mit einem erhöhten Risiko auf Fehlgeburten und Herz- und Gefäßkrankheiten in Verbindung gebracht. Auch haben Kinder von untergewichtigen Müttern ein höheres Risiko, später Diabetes zu entwickeln.

KÖRPERGEWICHT WÄHREND DER SCHWANGERSCHAFT

Im Laufe der Schwangerschaft wächst der Bauch und werden die Brüste voller. Häufig bilden sich auch Fettreserven auf den Hüften. Es ist normal, dass Frauen während der Schwangerschaft zunehmen. Allerdings nehmen manche Frauen mehr zu als andere. Im Durchschnitt liegt die Zunahme des Körpergewichts von Frauen während der Schwangerschaft bei zwölf Kilo.

Wie wird man die zusätzlichen Pfunde wieder los? Unmittelbar nach der Entbindung verliert die Mutter ungefähr fünf Kilo Körpergewicht (u. a. durch das Gewicht des Kindes, der Plazenta, des Fruchtwassers). Während der Zeit im Wochenbett verliert die Frau gewöhnlich nochmals rund vier Kilogramm Körpergewicht. Die restlichen Kilos verschwinden während der Stillzeit. Etwaige zusätzliche Kilos, die während der Schwangerschaft z. B. durch einen übermäßigen Verzehr von Süßigkeiten entstanden sind, verschwinden natürlich nicht wieder einfach von selbst!

Die folgende Tabelle (die von der Seite des Ernährungszentrums übernommen wurde) enthält eine Übersicht über die durchschnittliche Körpergewichtszunahme während der Schwangerschaft.

Baby 3,5 Kilo
Gebärmutter 1,0 Kilo
Plazenta 0,5 Kilo
zusätzliche Blutmenge 1,5 Kilo
Brüste 0,5 Kilo
zusätzliche Fettvorräte 3,0 Kilo
zusätzliche Körperflüssigkeit 2,0 Kilo
insgesamt 12 Kilo

Es besteht kein direkter Zusammenhang zwischen der Gewichtszunahme und dem Wachstum des Kindes. Sollten Sie den Eindruck haben, dass Ihre Gewichtszunahme während der Schwangerschaft zu stark von den Normwerten abweicht, dann sollten Sie dies mit Ihrem Gynäkologen besprechen.

(Diana Vredegoor, Diätassistentin)