Schwangerschaft, Baby, KleinKind

Übergewicht bei Kinder

Es ist allgemein bekannt, dass Kinder auch in Europa immer dicker werden. Wir machen es allesamt den Amerikanern nach. Die Amerikaner kämpfen schon seit Jahren mit extremem Übergewicht. Wie kommt es, dass wir immer dicker werden? Und vor allem: Was können wir dagegen tun?

IMMER MEHR KINDER LEIDEN AN ÜBERGEWICHT

Untersuchungen haben gezeigt, dass u.a. in Westeuropa die Zahl der Kinder mit Übergewicht ständig steigt. In den letzten zwanzig Jahren hat die Zahl der Kinder, die im Alter von 5 bis 11 Jahren mit Übergewicht zu kämpfen haben, beträchtlich zugenommen, und aller Erwartung nach wird sie auch in Zukunft weiter ansteigen. Erschreckend ist auch, dass ein hoher Prozentsatz der Kinder bereits im Alter von vier Jahren an Übergewicht leidet.

Die Untersuchungen haben weiterhin gezeigt, dass für dicke Kinder ein hohes Risiko besteht, die überflüssigen Pfunde nie mehr los zu werden. Mindestens 30 Prozent aller Kinder, die zu dick sind, laufen Gefahr, später auch dicke Erwachsene zu werden.




WIE KOMMT ES, DASS WIR IMMER DICKER WERDEN?

Ernährung/ Essen ist die Einnahme von Energie. Wir benötigen Energie zum Laufen, radfahren, Sport treiben usw. aber auch wenn wir sitzen, schlafen oder tagträumen. Auch unser Gehirn benötigt Energie. Unser Körper verbraucht also ständig Energie, und diese Energie ziehen wir aus der Nahrung. Natürlich benötigt unser Körper mehr Energie, wenn wir laufen oder Sport treiben als wenn wir schlafen. Wenn wir mehr Energie (also mehr Nahrung) zu uns nehmen als wir durch körperliche Betätigung verbrennen, kommt es zu einer Gewichtszunahme.

Wie kommt es, dass wir mit der Zeit immer mehr Energie (zu viel Energie) zu uns nehmen?

  • mehr fette und kohlenhydratreiche Produkte (Schokolade, Chips, Pommes frites, Erfrischungsgetränke, Süßigkeiten, Kuchen). Diese Nahrungsmittel sind immer billiger geworden und werden daher auch immer häufiger konsumiert.
  • weniger Bewegung. (Wer fährt heute noch mit dem Rad zur Arbeit, wer dreht jeden Abend noch eine Runde ums Haus, wer bringt die Kinder mit dem Fahrrad zur Schule/in den Kindergarten, wer macht regelmäßig lange Wanderungen durch den Wald oder am Strand?)

 

ZU VIEL ESSEN

Es ist nicht so, dass Kinder im Laufe der Zeit immer mehr essen und dadurch immer dicker werden. Allerdings ernähren sich die meisten Leute heute ungesunder als früher, und das ist einer der Gründe, warum die Bevölkerung immer dicker wird. Vor 100 Jahren gab es noch nicht so ein großes Angebot an Süßigkeiten, es gab noch keine Snackbars mit allerlei fetthaltigen Häppchen, und Limonade trank man nur zu besonderen Gelegenheiten. Wenn ein Kind jeden Tag eine normale Menge an Butterbroten mit Käse und Marmelade isst, Milch trinkt und eine gesunde, warme Mahlzeit am Tag zu sich nimmt, wird es kein Übergewicht bekommen. Doch leider sieht die Realität anders aus: Anstelle von drei festen Mahlzeiten am Tag essen Kinder viel häufiger. Die regelmäßigen Mahlzeiten verlieren an Gewicht, und die Snacks für zwischendurch werden immer wichtiger. Diese Snacks sind allesamt Produkte, die viel Fett und Zucker enthalten und somit sehr kalorienreich sind. Kinder, die zu viele solcher Snacks essen, werden übergewichtig. Die Kalorienzufuhr ist hoch, dennoch sättigen solche Produkte kaum und sind nicht dafür geeignet, den Hunger zu stillen. Das zu häufige Essen von Snacks führt schnell in einen Teufelskreis: Die Kinder haben weniger Appetit auf eine warme Mahlzeit – mit der Folge, dass sie eine Stunde später doch wieder Hunger bekommen, und dann erneut zu den Snacks und Süßigkeiten greifen. Heutzutage leben wir allesamt in einer „Rindvieh-Kultur“. Wir „grasen“ (‚essen‘) den ganzen Tag.

ZU WENIG BEWEGUNG

Je mehr Bewegung ein Kind hat, desto mehr Energie benötigt es auch und desto mehr Kartoffeln, Butterbrote usw. kann und darf es essen. Bewegung ist zudem sehr wichtig für den Muskelaufbau und die körperliche und motorische Entwicklung des Kindes. Wie viel ein Kind sich bewegt, ist abhängig vom Naturell des Kindes – es gibt nun einmal Zappelphilipp- und Stubenhockertypen. Auch das familiäre Umfeld spielt eine Rolle. Eltern, die gerne radfahren und wandern, haben häufig auch aktive Kinder. Aus den Kinder bewegungsfauler Eltern werden hingegen meist keine Sportkanonen. Eines aber steht fest: Insgesamt bewegen wir uns in unserer heutigen, modernen Gesellschaft viel weniger als früher. Man fährt mit dem Auto zur Schule, ins Schwimmbad und zum Einkaufen. Und wenn wir es uns vor dem Fernseher gemütlich machen, brauchen wir dank moderner Fernbedienung noch nicht einmal mehr aufzustehen, um auf einen anderen Sender umzuschalten. So gut wie jeder Haushalt verfügt über mindestens einen Computer, auf dem Spiele gespielt werden können. Heutzutage schauen Kinder im Schnitt täglich zwei Stunden fern.

Drei Gründe, warum Bewegung so gesund ist:

  • Bewegung macht fitter.
  • Fett kann vom Körper nicht so schnell angesetzt werden.
  • Bewegung ist wichtig für den Muskelaufbau und verbessert die Kondition.

ZU DICK IST NICHT GESUND

Übergewicht ist mit diversen Risiken verbunden. Übergewichtige Kinder können Probleme mit den Füßen, Knien, Beinen und dem Rücken bekommen. Wie kommt das? Der Körper ist zu schwer für die Beine. Die Beine können den Körper folglich nicht mehr tragen. Schließlich werden sie tagtäglich mit den überflüssigen Pfunden belastet. Außerdem kann es zu Beschwerden wie Kurzatmigkeit, Schnarchen, Kopfschmerzen, Hautinfektionen und einem erhöhten Cholesterinspiegel kommen. Auf längere Sicht führt Übergewicht zu einer niedrigeren Lebenserwartung; das Risiko auf überhöhten Blutdruck, Diabetes oder Herz- und Gefäßkrankheiten steigt.

Über diese körperlichen Folgen hinaus, beeinträchtigt Übergewicht auch das soziale Leben der Kinder. Dicker Kinder werden häufiger von ihren Schulkameraden gehänselt als dünne Kinder. Sie fühlen sich häufiger ausgegrenzt, schämen sich für Ihre Figur und haben ein negatives Selbstbild. Sie haben häufiger Verhaltensschwierigkeiten und psychische Probleme.

WAS KANN MAN GEGEN ÜBERGEWICHT TUN?

Ist Ihr Kind laut Gewichtstabellen zu dick?? Sie sollten dann AUF KEINEN FALL selbst ein Diätprogramm für Ihr Kind aufstellen, sondern dies IMMER zuvor mit einem Hausarzt, Diätisten oder einem Schularzt besprechen. Besser als eine Diät ist es, wenn Sie von vornherein darauf achten, dass Ihr Kind nicht zu dick wird. Kinder verbrauchen relativ viele Kalorien, solange sie noch wachsen. Bei einer normalen Ernährung bleiben sie deshalb von selbst schlank.

Sorgen Sie für eine abwechslungsreiche Ernährung und genügend Bewegung. Achten Sie auf die Grundregeln gesunder Ernährung.

  • Drei Hauptmahlzeiten pro Tag und zwei bis drei Zwischenmahlzeiten
  • Achten Sie auf gesunde Ernährung: jeden Tag Brot, frisches Obst und Gemüse, Kartoffeln und ein Stück Fleisch oder Fisch
  • Geben Sie Ihrem Kind nicht zu viele Süßigkeiten oder Kuchen, höchstens einmal am Tag. Gehen Sie sparsam mit Nahrungsmitteln um, die viel Kohlenhydrate und Fett enthalten. Dies sind Produkte wie Sahnetorte, Schokoriegel (Mars, Snickers, Twix, Kinderüberraschung etc.), Chips, Pommes frites.
  • Achten Sie darauf, dass Ihr Kind nicht zu viele zuckerhaltige Getränke zu sich nimmt.
  • Stellen Sie Ihr Kind ab dem fünften oder sechsten Lebensjahr auf fettreduzierte Nahrungsmittel (z.B. teilentrahmte Milch) um, wenn es zu Übergewichtigkeit neigt.
  • Meiden Sie sogenannte „Light“-Produkte, da diese ungesunde Süßstoffe enthalten.
  • Frühstücken ist ein Muss!
  • Auch für die Zwischenmahlzeiten sollte es feste Uhrzeiten geben.
  • Nach der Schule muss Ihr Kind sich täglich noch mindestens eine Stunde lang körperlich betätigen, z.B. spielen.
  • Achten Sie auch im Alltag auf Bewegung. Nehmen Sie zum Beispiel die Treppe anstatt des Fahrstuhls, laufen Sie mal zum Supermarkt um die Ecke oder fahren Sie mit dem Rad dorthin.

Und denken Sie daran, dass Kinder das Verhalten ihrer Eltern und größeren Geschwister nachahmen!!

TIPPS FÜR ZWISCHENDURCH

 

Salzige Snacks

  • Portion Studentenfutter
  • Toast mit Ei
  • Salzstangen
  • Portion Popcorn

Süße Snacks

  • Vollkornkekse oder Löffelbiskuits
  • Spekulatius
  • Salmiakpastillen
  • Mäusespeck
  • Toffee
  • Wassereis
  • 1 dünne Scheibe Honigkuchen
  • Lolli

Auch als Zwischenmahlzeit geeignet

  • Milch
  • 1 Reiswaffel
  • 1 Stück Obst
  • Joghurt mit frischen Früchten
  • Tasse Brühe
  • 1 Tomate

Diana Vredegoor, Diätistin